Regionale Entwickung des Jugendfußballs

  • Der Kommentar von M_Mintal im Krummenaab-Thread hat mich motiviert das Thema zu eröffnen. Ich halte dies als das wichtigste Thema unserer Region und viele Vereine behandeln es leider stiefmütterlich und oberflächlich.
    Der Trend geht stark in die Richtung, dass nach den JFGs und SGs in der Jugend jetzt auch der Seniorenbereich zusammengewürfelt wird. Die Vereine, die dazu gezwungen sind, werden in 10 bis 20 Jahre komplett zusperren können, wenn sich die Grundeinstellung nicht ändert.


    Vor gut 10 Jahren wurden die ersten JFGs gegründet. Davor gab es schon immer wieder bei schwachen Jahrgängen vereinzelte SG-Mannschaften. JFGs haben bei ganz wenigen Beispielen dazu geführt, dass sich die Jugendmannschaften auf Kreisliga- oder BOL-Niveau stabilisieren. Das sind die Vereine die gut und kontinuierlich arbeiten.

    Lobenswerte Beispiele: JFG Luisenburg, JFG Stiftland oder die SG um Haidenaab/Seybothenreuth/Kirchenlaibach.


    Eine beträchtliche Reihe an Vereinen mit JFGs oder SGs versuchen jedoch lediglich die Arbeit abzuschieben.

    Dadurch entsteht der größte Schaden für einen Amateurverein: Durch das fehlende Engagement werden die Kids nicht mehr an den Verein gebunden.

    Ende vom Lied sind die gleichen Personalmängel im Zusammenschluss wie es vorher für die Einzelvereine. Nur mit dem Unterschied, dass die wenigen "Absolventen" der A-Jugend auf mehrere Stammvereine aufgeteilt werden. Die schlecht arbeitenden Vereine werden also nicht drum rumkommen sich in den nächsten 10 Jahren auch im Seniorenbereich zusammen zu schließen, wenn ein Spielbetrieb weiter stattfinden soll.


    Ausreden wie "es gibt zu wenig Kinder" oder "das Konkurrenzprogramm ist zu stark" ist meiner Ansicht nach eine faule Ausrede. Der seit Jahren anhaltende BOOM im Hausbau wird sicherlich nicht in tausende Singlebuden enden. Und das Konkurrenzprogramm ist nur so stark wie es unser nationaler Volksport zulässt.

    Die genannten Ausreden sind maximal Widerstände, welche zu innovativen Lösungsansätzen führen sollten. Stattdessen versteckt sich ein großer Teil dahinter und geht den kurzfristig einfachen Weg. Diese Vereine bekommen teilweise jetzt schon ihre Quittung, teilweise schaffen sie es noch ein paar Jährchen. Kein Amateurverein kann auf lange Sicht sein jeweiliges Niveau ohne Jugendarbeit halten. Die Mannschaften, die die letzten Jahre abgestürzt sind haben den Nachwuchs sträflich vernachlässigt.


    Zusammenfassend:

    Schlechte Jugendarbeit --> Schlechte Bindung an den Verein --> weniger Spielermaterial für den Seniorenbereich --> weniger ehrenamtliche Trainer und Schiedsrichter


    Jetzt wäre es doch mal interessant in einer Art "Online-Symposium" Möglichkeiten auszutauschen, wie die Vereine versuchen ihre jüngsten Mitglieder zu begeistern/gewinnen bzw. sie langfristig zu binden. Halte ich für deutlich wertvoller als das tägliche rumgehacke auf Krummenaab oder dergleichen. Macht aber natürlich weniger Freude :D

  • Ein paar Punkte meinerseits:

    Ich denke nicht, dass es weniger Kinder und Jugendliche gibt. Der demographische Wandel ist vorgeschoben. Aus meiner Sicht eine faule Ausrede. Nehmen wir mal Weiden. Da gibt es noch vier Vereine. Da die SpVgg SV Weiden mittlerweile ja auch die Jugendarbeit zum Teil eingestellt hat, gibt es nur noch den FC Ost, der eine vollumfängliche Jugendarbeit macht. Im Schnitt sind es zwei bis drei Mannschaften pro Altersklasse. In den C-Junioren sind drei Mannschaften gemeldet, d.h. es spielen gerade einmal zwischen 40-50 Jugendliche in dem Alter Fußball. Es gibt aber sicher 15-20mal so viele Kinder in diesen Altersklassen in Weiden. Natürlich ist das Konkurrenzangebot größer geworden und mittlerweile ist es einfacher, die Kids zu Hause vor dem Fernseher oder der Spielkonsole zu platzieren, statt sie ins Training oder zum Spiel zu fahren. Bequemlichkeit geht vor. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die Kids immer dicker werden und ungesünder leben.


    Noch dazu steht einem die Welt heutzutage offen, was Reisen und Beruf angeht. Es ist halt nunmal leichter ein halbes Jahr/Jahr auf Weltreise zu gehen, statt ehrgeizig dem runden Leder nachzujagen, zumal man hin und wieder auch mal Rückschläge (Bank, Kritik, etc.) einstecken muss, was heutzutage dazu führt, dass sich teilweise die Eltern vor Erwachsene stellen und versuchen ihren Sohnemann zu verteidigen. Man(n) geht heutzutage eben den leichten Weg mit dem geringsten Widerstand.


    Allerdings trifft auch die Vereine meiner Meinung nach eine Mitschuld. Statt in Ausbildung und Sportanlagen zu investieren, hat man das überschüssige Geld halt in Spieler gepumpt (viele tun es ja immer noch). Ich bin mir sicher, hätten wir mehr Trainer, bessere Ausrüstung und modernere Sportanlagen, würde man mehr Kinder und Jugendliche für Fußball begeistern können und bei der Stange halten können.


    Es gibt sicherlich noch mehr Gründe, aber in Summe stimmt sicher auch die zusammenfassende Schlussfolgerung von Fichtelgebirgsfan :


    Zusammenfassend:

    Schlechte Jugendarbeit --> Schlechte Bindung an den Verein --> weniger Spielermaterial für den Seniorenbereich --> weniger ehrenamtliche Trainer und Schiedsrichter